Zur Geschichte der Fischerei in Sachsen

Fischerei zählt zu den ältesten Handwerken und Landnutzungsformen der Menschheit. Ihre Ausübung auf dem Gebiete Sachsens erfolgte seit Urzeiten. Noch zu Beginn der deutschen Ostkolonisation war dabei der Fang von Fischen aus den Fließgewässern die alleinig vorherrschende Form der Fischerei gewesen, ebenso wie dies in ur- und frühgeschichtlicher Zeit der Fall war. Dies belegen Siedlungsfunde aus der Zeit nach der letzten Eiszeit im Gebiet der Spree. Fischschuppen, Netzsenker und Angelhaken zeugen von der weiten Verbreitung des Fischfangs durch die Westslawen in diesem Gebiet. Aus dieser Zeit fehlen verständlicherweise schriftliche Quellen.
Stand anfangs in der Frühzeit die Fischerei in den Fließgewässern allen freien Dorfbewohnern offen, so änderte sich dies mit der Landnahme und dem Landesausbau durch die deutschen Kolonisten vor rund 800 Jahren. Fischerei wurde zum herrschaftlichen Recht und bedurfte der Privilegierung. Städte, Klöster und Grundherren erhielten das Recht der Fischereiausübung verbrieft. Aus dem Hochmittelalter stammen so die ersten schriftlichen Nachweise von Fischerei und Fischerhandwerk.
In dieser Zeit organisierten sich die Handwerker der Städte in Zünften oder Innungen. Sie ließen sich von den Räten ihre Rechte konfirmieren und hielten diese in Ordnungen fest. Das einsetzende Bevölkerungswachstum und die damit rasch ansteigenden Nachfrage zu Beginn der Neuzeit führten nicht nur zu größeren Druck auf die Fische durch Fang und Entnahme, sondern auch zu Ausplünderungen und Verödungen des natürlichen Fischbestandes. Es wurde notwendig, Regelwerke zur Sicherung der Fischereiausübung aufzustellen. Das 16. Jahrhundert brachte eine ganze Reihe von Ordnungen des Fischerhandwerks und Fischordnungen zur Reglementierung der Fischerei und Schonung der Fischbestände hervor. Die Fischerinnungen waren ein Zusammenschluss von Meistern mit dem Zweck, jeden von ihnen den Broterwerb zu gewährleisten, »domit sich einer nheben dem anderen könne erhalden«. Die Fischereiinnungen befischten die Bäche, Flüsse und Ströme im Weichbild der Städte. Große und bedeutende Fischerinnungen bestanden in Leipzig, Torgau, Belgern, Mühlberg, Meißen, Dresden und Pirna aber auch an den kleineren Fließgewässern existierten solche, wie beispielsweise in Bautzen, Löbau oder Görlitz.
Mit dem Anwachsen der Bevölkerung wuchs auch der Markt für den Absatz von Fischen, die nicht nur eine wichtige Fastenspeise in katholischer Zeit waren, sondern auch eine notwendige Eiweißquelle für die Ernährung darstellten. Folgerichtig rückte die Erzeugung von Fischen in Teichen ins Blickfeld der Grundbesitzer. Die Anlage erster Teiche zur gezielten Produktion von Karpfen reicht 750 Jahre zurück. Dabei bildeten sich in Sachsen bedeutende Teichgebiete um Wermsdorf und Torgau sowie Moritzburg, deren Ausbau besonders durch die Wettiner vorangetrieben wurde. In der Oberlausitz entstand eines der größten Teichgebiete Deutschlands, dass von den örtlichen Grundbesitzern, in der Hauptsache den Städten und Rittergutsbesitzern, ausgebaut und bewirtschaftet wurde. Klöster spielten bei der Anlage von Karpfenteichen im Gegensatz zu Süddeutschland in Sachsen eher eine untergeordnete Rolle. Jahrhundertelang wurde ein relativ langgestreckter vollbeschuppter Karpfen gezüchtet. Erst vor ungefähr hundert Jahren ist der bis dahin althergebrachte und gezüchtete Schuppenkarpfen durch den Galizischen Spiegelkarpfen abgelöst worden, mit dem die Produktionszeit auf drei Sommer verkürzt werden konnte. Ebenso hielt zu dieser Zeit die Fütterung der Karpfen Einzug in die Wirtschaftsweise und die Erträge konnten beträchtlich gesteigert werden, so dass die Produktion den Eigenverbrauch erheblich übertraf. Mit den ersten Eisenbahntransporten von Karpfen um 1870 weitete sich der Handel sprunghaft aus. Karpfen aus Sachsen wurden so schon frühzeitig bis nach Hamburg geliefert. Auch heute noch ist die sächsische Karpfenteichwirtschaft einer der wichtigsten Karpfenerzeuger in Deutschland.
Naturgemäß waren die Fänge in den Flüssen nicht zu steigern. Haupteinnahmequelle der Flussfischerei in Elbe und Mulde mit ihren Zuflüssen war jahrhundertelang der Lachs bis in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein merklicher Rückgang der Fänge durch die negativen Folgen von Flussausbau und beginnender Industriealisierung einsetzte.
Der 1884 gegründete Sächsische Fischereiverein nahm sich dieses Problems an und bemühte sich um die Hebung des Lachsfangs. Diese Bemühungen über den Besatz mit künstlich erbrüteten Lachslarven führten kurzzeitig zu einer Stabilisierung und teilweisen Steigerung des Lachsaufkommens, konnten den endgültigen Niedergang aber nur kurz aufhalten. Eine weitere wichtige und gewinnbringende Arbeit leistete der Sächsische Fischereiverein bei der fachlichen Fortbildung seiner Mitglieder mit „Belehrungsschriften“ und der Verbreitung von Erfolgen der fischereilichen Praxis und der Fischereiwissenschaft. Auch sorgte sich der Sächsische Fischereiverein um die Beschaffung von Brut nicht heimischer Fische wie die von Regenbogenforelle und Bachsaibling, die schon um 1890 in mehreren Bächen Sachsens ausgesetzt und angesiedelt wurden. Zu den ersten verdienstvollen Mitarbeitern des Sächsichen Fischereivereins zählen Dr. Bruno Steglich, der 1895 die Fischgewässer im Königreich Sachsen beschrieb, sein Mitstreiter und Zuarbeiter Adolf Endler sowie Emil Aster, der die Teichwirtschaften Sachsens 1902 einer Bestandsaufnahme unterzog und so für die Nachwelt dokumetierte.

Weiterführende Literatur zur sächsischen Fischereigeschichte:

Hartstock, E. (2000):
Entstehung und Entwicklung der Teichwirtschaft Moritzburg
Schriftenreihe der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft.
Sonderheft. 106 S. (vergriffen)
Hartstock, E. (2004):
Teichwirtschaft in der Oberlausitz.
Abriß der Geschichte von den Anfängen bis 1945.
Lusatia Verlag Bautzen. 392 S.
Säuberlich, E. (2002):

Geschichte einer sächsischen Teichwirtschaft 1502 bis 2002
500 Jahre Teichwirtschaft Mutzschen-Wermsdorf.
Gemeindeverwaltung Wermsdorf. 256 S.